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  • catpill 16:51 am 11. August 2017 Permalink | Antworten
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    Labyrinth 

    Teilweise ist es noch so, als ob ich alles zum ersten Mal tun würde und teilweise ist es auch der Fall, zum Beispiel hier zum ersten Mal alleine im Sommer spazieren und auf den Wiesen barfuß gehen, das Zeitgefühl verlieren und wie in Trance durch die hohen Hecken-Labyrinthe spazieren, dann mich auf eine verlassene Parkbank versteckt und umgeben von noch mehr Hecken setzen, und erinnert werden an Labyrinth mit David Bowie oder an den Geheimen Garten (vor allem den Film, das Buch lese ich gerade noch). Es wird bald zu regnen anfangen, mit jeder weiteren Stunde die vergeht, steigt die Regenwahrscheinlichkeit um 10% und ich spiele mit dem Feuer (bzw. mit dem Wasser, haha) weil ich immer noch hier sitze und nicht auf die vergehende Zeit achte. Nach Jahren der erste Sommer ohne Depression ist wie Urlaub und ich versuche jeden Tag zu genießen, so oft wie möglich hinauszugehen, in den Bus setzen ohne ein Ziel zu haben und alleine herumzustreifen, weil ich endlich die Gesellschaft allein mit mir wieder genießen kann.

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    Ich habe mir Depressionen immer so vorgestellt, als ob mir ein Loch in den Kopf gebohrt wurde und danach jeder Schmerz der Welt hineingeflossen ist und immer noch permanent hineinfließt und ich ständig mit dem Leid aller Menschen konfrontiert bin und alles was ich will ist aufhören denken zu müssen und das Loch mit Tape zu überkleben.

    Und jetzt – das Loch ist immer noch da und ich glaube auch nicht mehr, dass es sich je schließen wird – ich spüre es die ganze Zeit – aber vielleicht lerne ich langsam damit umzugehen.

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  • catpill 13:37 am 28. July 2017 Permalink | Antworten
    Tags: Game, , Spiel, , Twine   

    Dream Mash Up 

     

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    Vor kurzem habe ich mein neues Twine-Game veröffentlicht, dass ich irgendwann nebenbei angefangen habe und jetzt endlich geschafft habe fertigzumachen. Es ist der absolute Gegensatz zu meinem vorherigen Spiel ‚Ghost Story‘, welches Angst und Unruhe erzeugen sollte – in Dream Mash Up geht es hingegen um Entspannung und um Angst zu lösen.

    A short experimental Twine Game that makes use of light, color and ASMR-ish sounds. A game for professional dreamers and beginners alike, for anxious and stressed out people or for everyone who just wants to relax.

    Adjust your dreams according to your wishes and dream the most wonderful dreams.

    Gratis zu downloaden auf: witchglitch.itch.io/dream-mash-up

     

     
  • catpill 18:43 am 27. April 2017 Permalink | Antworten
    Tags: Alice im Wunderland, kindisch, , , Soundscape, , Witch   

    Mit anderen Augen 

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    Von Zeit zu Zeit braucht man einen Perspektivenwechsel, möchte die Welt mit anderen Augen sehen, denn diese sind rastlos geworden, wandern über der schon viel zu vertrauten Umgebung unruhig hin und her, der immergleiche Weg zur U-Bahn ist unbeschreiblich langweilig geworden, nur mit Müh und Not und 2 Zigaretten schafft man ihn noch.

    Es ist Zeit für 4 magische Methoden um die Welt anders zu sehen. Sie sind vielleicht absolut kindisch, aber seit wann ist -kindisch- ein negatives Wort geworden? Duden schlägt auch nicht bessere Synonyme vor: [kindsköpfig, unreif; (umgangssprachlich) dumm; (abwertend) albern, infantil, lächerlich, läppisch, töricht, sich in unangemessener, für einen Erwachsenen unpassender Weise wie ein Kind benehmend] Wenn wir Kinder abwerten, werten wir uns selbst ab, deshalb versuche ich, diesen Begriff wieder als etwas Positives wahrzunehmen.

    # Through The Looking Glass and What Alice Found There –2book3 Method 

    „Oh, how nice it would be if we could only get through into Looking-glass House! I’m sure it’s got, oh! such beautiful things in it! Let’s pretend there’s a way of getting through into it, somehow. Let’s pretend the glass has got all soft like gauze, so that we can get through. Why, it’s turning into a sort of mist now, I declare! It’ll be easy enough to get through -“ She was up on the chimney-piece while she said this, though she hardly knew how she had got there. And certainly the glass was beginning to melt away, just like a bright silvery mist.

    Lewis Carroll – Through The Looking Glass and What Alice Found There

    Ich verwende Spiegel, den großen im Schlafzimmer, oder den kleinen Handspiegel um damit durch die Wohnung zu gehen zu können und schaue mir alles genau an durch den Spiegel, stelle mir vor, es ist eine eigene Welt und liebe wie plötzlich alles anders aussieht – manchmal komme ich dadurch auf die Idee die Möbel umzustellen um die Welt im Spiegel zu mir zu holen, machmal schaue ich nur wie fremdartig spiegelverkeht und erfrischend alles aussieht.

    # Be, where you have never been before … in deiner Wohnung

    Obwohl ich denke, dass ich sie besser kenne als jeden anderen Ort, bin ich doch nicht überall. Zum Beispiel bin ich noch nie zwischen dem Spalt zwischen dem Bücherregal und Wand gestanden. Oder im Kleiderschrank gesessen, unter dem Bett gelegen, am Küchentisch gestanden. Ich möchte auf den Badezimmerfliesen sitzen und die Waschmaschine beobachten, wie damals als Kind, als ich mit meinen Zehen den Teppich glatt gestrichen, den Geruch des Waschpulvers gerochen habe und gebannt war, vergebens versucht habe, die Umdrehungen der Waschmaschine zu zählen, alles auf einmal zum Wackeln begann wie bei einem Erdbeben, und jedesmal gelächelt habe, als das Gesicht meines Stofftiers an das Fenster der Maschine gepresst wurde.

    Um eine neue Perspektive zu bekommen, kann man auch Magisches und Unbekanntes an den Orten finden, die man schon völlig in und auswendig zu glauben scheint. Dass ich meine Wohnung nicht so gut kenne, wie ich denke, habe ich daran gemerkt, dass ich noch Jahre nach meinem Einzug Weihrauch und eine Zigarettenpackung der Vormieter unter einem Einbauschrank entdeckt habe, zwei Lampen gefunden habe, die die Küchenablage beleuchten und ich will weiterhin fest daran glauben, dass eine Tür zu einem weiteren geheimen Zimmer hinter dem massiven Holzregal ist, welches seit dem Einzug an der Wand steht.

    Vernachlässige also nicht die staubigen, dunklen, unbetretenen Orte – mache einen Handstand gegen die Wand, lege dich auf den Boden, hüpfe am Bett und rolle dich vom Sofa, schau dem Pizzateig im Ofen dabei zu, wie er aufgeht. Rieche, und spüre alles, was dich umgibt.

    # Soundscape

    Soundscape/ Klanglandschaft bezeichnet akustische Hüllen, die Personen an bestimmten Orten umgeben, z. B. die individuellen Klanglandschaften von Biotopen oder Städten – wikipedia

    Als ich für eine Arbeit einmal nach Inspirationen für einen Ort für ein Soundscape gesucht habe, habe ich plötzlich alles anders in der Stadt erlebt. Ich bin nur mit meinem Gehör durch die Stadt gegangen, habe alle möglichen Geräusche bemerkt, die mir vorher nie aufgefallen waren, habe alles aufgenommen, entweder mit einem Aufnahmerecorder, einem Kontaktmikrofon oder nur in Gedanken. Ich habe meine Ohren an eine Wand, hinter der dröhnende Maschinen und Klimaanlagen zu hören waren, gepresst, habe dem Trommeln der Tropfen aus der Regenrinne gelauscht, und dem Verhallen von Schritten, nachts an einem verlassenen Weg, dem Dröhnen der Bahngleise. Wenn ich mit der Straßenbahn gefahren bin, habe ich zugehört, was die Leute neben mir geredet haben, habe Textfetzen daraus in mein Handy abgetippt und wunderbar komische Gedichte daraus gemacht.

    warum kriegst du immer die Plätze? – weil ich kleiner bin und darum schneller bin
    den Leuten muss es selber wehtun sonst lernen sie es nicht, bei den ganzen anderen Hippie-Aussteigern
    mangels an Erfahrungswerten weiß ich auch nicht was gescheiter ist und das ist mit viel Vorsicht zu genießen
    ich habe mir vorgenommen nicht zu viele Geschenke zu kaufen , das war nicht die beste Idee die ich hatte
    eine Persönlichkeitsstörung hat er auf jeden Fall

    Katze, miau, miau

    Das ist ein Bettler, oder? Es ist wegen der Augengläser
    100 Jahre, zwei Minuten, Ich habs vergessen, hauptsache einer weiß es
    ich hab mit einer Deutschen zusammengewohnt, Trottel bin ich, das darf ich dem Franz nicht sagen
    in den Abständen entsteht dann Stauraum, man kann sich auf ihn verlassen
    um 8 geht er raus, um 8 kommt er heim, lang haltet er es nicht mehr aus

    Nicht abschlecken, pfui!
    aus habe ich gesagt!

    nicht da rein, da machen die ganzen Hunde gacki, aber wie gesagt, das muss die EDV entscheiden

    #  Orte und Zeiten die nicht existieren, nur wenn du sie aufsuchst

    sei zu Zeiten wach, zu denen du sonst nicht wach bist

    die Zeit um 5 Uhr früh

    zu Zeiten an denen sonst niemand draußen ist

    vormittags am 1. Jänner, während dem Regen im Wald, Sonntag nachts

    Wie sind Orte zu anderen Zeiten?

    Museum bei Nacht

    Wie ist es am Wochenende im verlassenen Büro zu sein?

    Welche Orte und welche Zeiten sind zusammen so „unmöglich“, dass man sie nie zusammen aufsuchen würde und warum nicht?

    Welche Orte sind zu welchen Zeiten nie zugänglich (was sie nur umso faszinierender macht)?

    geschlossene Vergnügungsparks

    Welche Orte verstrahlen ihren Zauber nur zu bestimmten Zeiten?

    Schwimmbad in der Nacht

    Nachtlokale am Tag

    Wie ist die Stadt unter der Woche von 9 – 17 Uhr, die für viele arbeitstätige Menschen fast schon unerreichbar ist?

    Wie ist es, einmal nachts durch die verlassene Stadt zu fahren?

     
  • catpill 16:37 am 27. April 2017 Permalink | Antworten
    Tags: , ,   

    Elefant im Raum 

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    So oft meldet sich der Gedanke in mir, dass „sowieso alles sinnlos ist, nichts Bedeutung hat, ich mich nicht bemühen muss“. Ich kenne diesen Gedanken allzu gut, habe Angst vor ihm, er meldet sich so oft, auch wenn ich es nicht will, er ist wie der Elefant im Raum, ich versuche ihn angestrengt zu ignorieren, tue so als ob er nicht da wäre, aber sehe ihn natürlich genau, ein alter, grauer Elefant mit müden Augen, einem Büschel grauweißer Haare auf dem schrumpeligen Kopf, meine Wohnung ist ein Elefantengehege und obwohl ich die Türe auf mache, will er nicht gehen. Jedesmal wenn ich nach Hause komme, hoffe ich, dass er weg ist und ich nur die Überreste von ein paar Heuballen und den zertrampelten Boden vorfinde, aber er ist immer geblieben, manchmal mitten im Raum stehend, manchmal sogar in die Ecke gedrängt, aber immer da. Während dem Schlafen kann ich ihn vergessen und die ersten Sekunden nach dem Aufwachen bin ich für einen Moment frei, aber dann sehe ich ihn schon aus den Augenwinkeln langsam mit seinem Rüssel hin- und herschwingen, mit den Stoßzähnen wippen. Ich rede selten darüber, und passe auf, was ich über ihn preisgebe, ich möchte ihn zwar vertreiben, aber zu niemandem anderem schicken, wie in dem Film „It follows“, welcher mich so daran erinnert hat. Also deute ich es immer nur kurz an, wechsle bald das Thema, auch wenn ich nur mit mir selbst rede, in meinen Gedanken. Ich versuche ihn zu vertreiben, nur vertreiben, denn die Erinnerung an ihn wird wohl nie weggehen. Kann ich etwas vergessen, was ich einmal erschaffen habe?

    Deshalb brauche ich Magie und kämpfe gegen die Gedanken, indem ich die Sinnlosigkeit absichtlich zelebriere und den Dingen die Bedeutung gebe, die ich möchte. Ich schreibe und höre Musik, lege Tarotkarten, zünde Kerzen an. Ich glaube nicht, dass Tarotkarten meine Zukunft vorhersagen könne, ich glaube nicht, dass ich mit Ouija Brettern mit Geistern kommunizieren kann, genausowenig wie ich denke, dass ein Spielfilm die Wirklichkeit abbildet. Aber etwas, dass Menschen können ist, dass wir Dinge sehen können, die nicht wirklich da sind und simplen Gegenständen Bedeutungen verleihen können, die sie nicht wirklich haben. Ich versuche meinem Leben die Bedeutung zu geben die ich möchte und die Gedanken zu denken, die mir guttun.

    Kunst und Magie ist das einzige, was mich retten kann.

     
  • catpill 11:16 am 23. April 2017 Permalink | Antworten
    Tags: Art Witch, , , Neoliberalismus, Pink   

    Pink 

    Die Zeit rennt momentan wieder etwas langsamer und ich erschrecke mich nicht ständig vor der Uhrzeit oder vor den Kalenderblättern, die ich sonst unentwegt nach vorne blättern zu scheine. Ich bin zu müde, um die Dinge zu tun die ich tun möchte und müde genug, damit dich den Dingen entgehen kann, die ich nicht möchte. Manchmal tun Gedanken weh, echter physischer Schmerz, aber so allumfassend, dass man nicht den Finger drauf legen kann, man bräuchte schon beide Hände und müsste mit ihnen auf alles deuten, auf sich selbst und die ganze Welt.

    Ich wünschte, ich könnte ordentlich und ruhig malen, mich auf Details konzentrieren, ich müsste mich dazu zwingen, ich will nicht radieren, mir macht es am meisten Spaß unordentlich zu sein, mit der Farbe rumzupantschen, große, kräftige Farbkleckse auf die Seite zu werfen, die Seiten dann zudrücken für Rohrschachartige Muster, so wie wir es früher immer als Kinder gemacht haben, ich fühle mich lebendig und befreit, wenn ich male, mit Farben, Formen, und Materialen experimentiere, nur für mich, das Ergebnis ist nebensächlich. IMG_20170422_191115-01Ich genieße den Moment, wenn ich mit dem dicken schwarzen Textmarker Stricke auf dem Blatt mache (ich liebe das Geräusch) und Stempel aus Modelliermasse mache, indem ich verschiedene Formen hineindrücke. Ich schreibe und zeichne und klebe auf Blättern und Karton, Äste und Steinen, meine Haut, manchmal auch auf das Wassser, in dem ich Lebensmittelfarbe-Pulver in das Badewasser streue und dann beobachte, wie die verschiedenen Farben ineinanderlaufen und Spiralen bilden. Ich muss mich niemandem beweisen und kann machen, was ich will, ich denke dabei an niemanden, nur an mich.

    Leider kann ich es nicht den ganzen Tag machen, ich könnte nie Künstlerin sein, denn wenn es um etwas geht, finde ich plötzlich keinen Gefallen mehr daran. Wenn ich mich mit anderen messen muss, um Kunstförderungen von der Stadt zu erhalten oder die Aufnahmeprüfung für eine Ausbildung zu schaffen, bin ich nicht mehr daran interessiert. Aber der Neoliberalismus ist ein Wettbewerb aller gegen alle und nur eine Anzahl von Auserwählten kann gewinnen, nur ein Sieger kann hervorgehen. Ich möchte nicht in Konkurrenz mit anderen treten, neidisch auf andere sein, weil sie so begabt sind, so viel erfolgreicher sind, so viel früher mit allem angefangen haben.

    22Ich möchte nichts beweisen, nur dieses freie Gefühl haben, den Geruch der Gouache-Farbe riechen und das brennende Gefühl spüren wenn ein bisschen Kleber aus der Heißklebepistole auf die Haut gerät.

    Zurzeit verwende ich am liebsten Pink oder auch „Die umstrittenste Farbe der Welt“¹. Ist sie kitschig, romantisch, für kleine Mädchen, romantisch, weiblich ..? Ich glaube, sie kann alles sein was man möchte und für mich steht sie für Stärke, Kraft, Energie, Kreativität und Lebendigkeit und sie macht mich glücklich. Letztens im Baumarkt habe ich mir Farbkarten von jedem einzelnen Rosaton geholt (es waren viele), für daheim, für mich, zum ansehen, für Farbmagie. Ich liebe Molly Roberts Begriff der „Art Witch“²:

    There are green witches, ceremonial witches, sea witches, hedge witches, kitchen witches, tech witches, dream witches, urban witches, chaos witches, swamp witches, word witches, desert witches, lunar witches, solar witches, pop witches, weather witches…just to name a few…
    I, am an art witch.

    Ich werde weiter experimentieren und Spaß haben, auch wenn ich Angst habe, oft neidisch bin, unsicher, nicht selbstbewusst. Aber vielleicht ist es gerade dann wichtig.

     


    ¹ http://diepresse.com/home/kultur/literatur/1408595/Farbgeschichte_Rosa-die-umstrittenste-Farbe-der-Welt

    ² http://mollyrobertsmagick.blogspot.co.at/2016/11/art-witch-e-primer-launch.html

     
  • catpill 11:22 am 13. April 2017 Permalink | Antworten
    Tags: Wald   

    Waldarbeit 

    Ich war im Wald – obwohl Wald vielleicht nicht das richtige Wort ist, eher bewaldete Fläche auf der man an strategischen Punkten nicht mehr  die Autos hören oder sich zumindest vorstellen kann, es wäre Meeresrauschen oder das Rauschen der Baumkronen im Wind. Ich komme gerne zu Zeiten hierher, an denen möglichst wenige Leute hier sind, unter der Woche, nachts, wenn es gerade regnet oder geregnet hat, wobei diesmal Letzteres der Fall war.

    schneckeklein

    Bildbeschreibung: Eine schlafende Schnecke am Waldboden

    Ich komme hierher um mich zu entspannen und meine Gedanken durch das Zwitschern der Vögel zu ersetzen, ich lausche nur noch und denke nur noch in Vogelsprache. Und ich komme hierher, um Dinge zu sammeln, um die Ruhe des Waldes auch zu mir in die Wohnung mitzunehmen, in meine Insel zwischen befahrenen Straßen, hoch oben bei den Krähen. Ich habe Äste gesammelt, besonders trockene die vom Regen verschont geblieben sind. Äste, die ich bemalen kann und zwischen denen ich Schnüre und Bänder weben kann, wie ein großes buntes Spinnennetz. Besonders flache Steine, die sich gut in der Hand anfühlen, ein leeres Schneckenhaus, eine von Forstarbeiter*innen abgesägte kleine Baumscheibe, ein paar Baumrinden, die der Baum durch den Sturm vor Schreck fallen gelassen hat.

    matte

    Bildbeschreibung: Innansicht aus dem Kokon

    All das bringe ich zu mir nach Hause in meine Wunderkammer. Am nächsten Tag liege ich in der Hängematte und ziehe sie über mir zu und schaukele darin wie in einem Kokon.

    turm

    Bildbeschreibung: Büroturm

    Seit ich gekündigt habe und somit frei über meinen Tag bestimmen kann, wandere ich durch die Welt, stress- und gedankenfrei, trage nichts zur Gesellschaft bei, was ich nicht möchte und bin glücklich. Ich tue nichts Sinnvolles, ich bemale nur Steine, ich verkaufe nichts und kaufe nichts.

    Ich gehe durch die Welt, wenn sie für eine Mehrheit der arbeitenden Menschen um diese Zeit gesperrt ist. Ich schaue sie durch die Fenster der verglasten Türme an, sie schauen mich an, aber so wie sie mich ansehen, weiß ich, dass meine Zeit der Freiheit auch bald ein Ende hat, sie wird nur auf eine festgelegte Zeit geduldet, ich kriege Angstzustände vor ihren Blicken und wende mich ab um im Regen zu tanzen den ich herbeigerufen habe.

     

     

     
  • catpill 09:33 am 6. April 2017 Permalink | Antworten
    Tags: Antidepressiva, ,   

    Heavy Rain Showers 

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    Bildbeschreibung: Seitenansicht meines fast vollbeschriebenem/geklebtem/bemaltem Notizbuch, die Seitenränder wellig von der rosaroten Wassermalfarbe

    Ich habe diesen Blog wieder entstaubt und aus dem Regal geholt, alte schlechte Beiträge gelöscht (also alle).

    Was ich will, ist andere Menschen zu inspirieren, but quite frankly, I am not even inspiring myself. Neurotisch streife ich durch die Wohnung, wie ein Tiger im Zoo, oder auch ein Panther (I’m looking at you Rilke), der zu viel Energie [durch eine erhöhte Dosis Antidepressiva] hat, aber nicht so recht weiß was er damit anfangen soll. Es ist fast so, als ob ich gerade wieder alles neu erlernen muss weil ich es das erste Mal falsch gelernt habe. Ich muss lernen, was mir Spaß macht, schreiben – und zwar grammatikalisch falsch und unzusammenhängend, lernen meine Interessen zu vereinen und zu experimentieren, zeichnen, mit Farbe spritzen, Collagen machen, dabei viel falsch machen und am besten so viele Fehler machen wie möglich. Alles nur für mich machen, für mich, für mich, mich, mich! und für niemanden anderen, ohne Sinn nur zum Selbstzweck. Die Tür hinter mir schließen und die Menschen draußen lassen und ihre Gedanken, die sie mir eingeflößt haben.

    Ich komme mit meiner A4-Seite zum Arzt, mit all den Medikamenten und ihren verschiedenen Dosen die ich bis jetzt probiert habe, der Arzt seufzt, tippt in den PC, seufzt wieder und sagt, dass ich alles probiert habe, fast am Ende der am Markt verfügbaren Medikamente bin und dass ich wohl eher ein Problem habe, dass nicht mit Medikamenten zu lösen ist. Vielleicht noch Lithium, aber das ist problematisch in meinem gebärfähigen Alter und überhört dabei, dass ich sage, dass ich gar nicht vorhabe irgendetwas zu gebären. Dann liegt es an mir zu seufzen, er schreibt auf den Befund, dass es mir besser geht, ich seufze wieder, wir beide seufzen im Gleichklang.

    Das Handy zeigt Heavy Rain Showers an und es regnet tatsächlich und ich erinnere mich, als ich vor ein paar Jahren im Hochsommer im Wohnzimmer mit meinen Ratten getanzt habe um den Regen zu feiern und dann aus dem Haus gerannt bin um keinen Moment davon zu verpassen und dann wieder zurückgekommen bin, erschöpft und glücklich und wir dann alle endlich abgekühlt am Boden liegend eingeschlafen sind und sich die Ratten in meine feuchten Haare gekuschelt haben.

     
  • catpill 19:00 am 29. March 2017 Permalink | Antworten
    Tags:   

    Farbverlauf 

    Mit dem Ärmel vom Schlafmantel an der Türklinke hängen bleiben und den Kaffee im hohen Bogen ausschütten und mit einem lauten Blop am Boden landen lassen. Aber nicht so schlimm, der erste Kaffee ist meistens sowieso nicht gut, ich gebe zu viel Milch hinein – weil ich noch zu müde bin oder lasse ihn zu lange stehen bis er kalt wird – weil ich noch zu müde bin. Es ist der zweite oder der dritte der so richtig gut ist, aber dann bin ich meistens schon im Stress und schütte ihn nur noch hinunter wie 4cl irgendeines hochprozentigen Getränks. Und ich brauche mindestens 3 Tassen Kaffee – als ich versucht habe meinen Konsum zu reduzieren und nur noch Tee als Ersatz zu trinken, bin ich in der Früh aufgewacht und sah ohne Kaffee keinen Sinn darin aufzustehen. Ich habe mir zwar einen Tee gemacht (Immunsystem-Tee) und ihn auch brav getrunken, als kleiner Motivator sogar in meiner Lieblingstasse, aber dann bin ich wieder zurück ins Bett und habe weitere 3 Stunden geschlafen, bin abermals aufgewacht und habe mir DANN einen Kaffee gemacht, als ob ich meinen Fehler von vorhin bereinigen wollte. Und das war es mit meinem kleinen Experiment gewesen. Ohne die Aussicht auf Kaffee stehe ich nicht auf, und sonst gibt es keinen Anreiz momentan der mich dazu verleihen würde mein Bett zu verlassen. Ich träume viel lieber meine Träume, z.B. wie heute Nacht, als ich geträumt habe, ich würde mit meiner Mutter zusammenwohnen, in einer unbekannten Wohnung. Ich habe sie erforscht (die Wohnung, nicht meine Mutter) und musste sie ausmalen, aber die Farbe hat nicht wirklich gehalten, ich habe versucht einen Farbverlauf zu malen, rot rosa gelb oder etwas derartiges. Abgesehen davon war der Fußboden aus Holz und war uneben, verlief in Wellen, immer hinauf und wieder hinunter und ich liebte es, diese organische Form unter den Fußsohlen. Die Decke war undicht (wir haben wohl im Dachgeschoß gewohnt und der Regen tropfte in Massen von der Decke auf den Fußboden. Ich fragte meine Mutter, ob das ein Problem wäre, für uns und für den Fußboden, aber sie sagte, dass es sowieso schnell trocknen würde und es nur an ein paar Stillen undicht ist und nicht so schlimm sei (es war schlimm!). Aber ich gab mich trotzdem mit der Antwort zufrieden, denn eigentlich fand ich es wunderschön, den Regen in der Wohnung zu haben und die gewundenen unebenen Gänge.

     
  • catpill 12:22 am 23. March 2017 Permalink | Antworten
    Tags: ,   

    Im Liegen schreiben 

    Die Gedanken bleiben so gerne in mir kleben und weigern sich mich zu verlassen, ich muss sie aufs Blatt ziehen wie einen zähen pinken Kaugummi und manchmal schnalzen sie wieder zurück und sind in mir begraben, für immer.

    Meine Therapeutin sagte, ich soll versuchen im Liegen zu schreiben, weil ich gesagt habe, ich kann es nicht mehr – im Sitzen bin ich wie gelähmt und habe Angst, glücklich bin ich erst im Dämmerzustand vor dem Einschlafen und deshalb kommen mir da auch die meisten Ideen. Deshalb versuche ich mich auszutricksen und sitzliege im Bett bei zugezogenen Vorhängen und wenn mir nichts mehr einfällt, schließe ich die Augen und tue so als würde ich einschlafen und öffne sie dann schnell wieder um weiterzuschreiben. Vielleicht bin ich irgendwann soweit es auch im Sitzen zu machen, am Schreibtisch, im Tageslicht – ich habe sogar gelesen, dass manche das Schreiben im Stehen präferieren, aber das wäre dann doch eine Stufe zu hoch für mich (wortwörtlich).

    Wenn ich etwas im Leben machen will, dann muss ich es also wohl im Halbschlaf tun, im Bett dort wo ich mich sicher fühle. Und um es noch sicherer zu machen, habe ich mein Bett verlagert, in eine schmale Nische im Wohnzimmer. Ich habe ein Zelt gebaut, ein Fort, ein Sanctum aus Decken, Tüchern und Kissen. Innen ist es dunkel, nur ein paar Sonnenstrahlen scheinen durch die roten Tücher und tauchen alles in ein rosarotes Licht.

     
  • catpill 23:52 am 18. August 2013 Permalink | Antworten
    Tags: Notizbücher   

    Notizbücher 

    Von unten nach oben: Traumtagebuch, Ideensammlung für Roman(e), Tagebuch, Notizbuch für unterwegs

    Notizbücher

     
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